»Es war wie ein Wunder«

»Es war wie ein Wunder«

Als festen Bestandteil unseres Therapiekonzepts, das den Patienten umfassend in den Blick nimmt, betrachten wir ganz klar die Beatmungsentwöhnung. Erklärtes Ziel dabei ist, zunächst die Beatmung zu optimieren und den Patienten letztlich ganz von der Trachealkanüle zu entwöhnen. Die Entwöhnung von der Trachealkanüle ist dabei ein komplexer und mitunter langwieriger Prozess.

Oder es geht überraschend schnell. Wie bei einer 88-jährigen Patientin der Holas Ambulanten Intensiv- und Beatmungspflege, die mit einer Polyneuritis, unklarer Genese und infolgedessen Tetraplegie, die sie nur noch den Kopf ein bisschen bewegen ließ, in eine Holas-Wohngemeinhaft einzog. Nach 13 Monaten in verschiedenen Krankenhäusern war ihr Zustand schlecht und Hoffnung auf Besserung eigentlich nicht mehr vorhanden. Aber fast auf den Tag genau nur ein Jahr später ist sie zu Fuß nach Hause gelaufen.

Aber der Reihe nach. Alles fing damit an, dass einer Schwester auffiel, dass das Bein der Patientin zuckte, sie etwas spürte. Also begann sie, sich auf die Beine zu konzentrieren. Wieder eine andere Schwester bemerkte, dass sich die Atmung der Patientin verbesserte, sie immer mehr selbst machte, sodass die Unterstützung reduziert werden konnte. »Es war phänomenal. Innerhalb eines Monats konnte sie auch ihre Händen wieder bewegen und die Krönung war, dass sie nach einem halben Jahr mit ihrer Kanüle Mundharmonika spielte. Es war wie ein Wunder«, erzählt Anita Kliemek, Qualitätsmanagementbeauftragte von Holas. »Wir haben diese Entwicklung nicht verursacht, aber wir haben die Zeichen wahrgenommen, sind darauf eingegangen und haben sie gefördert. Sowas funktioniert aber nur im interdisziplinären Team. Wir haben qualifiziertes und aufmerksames Personal, das auf mögliche Potenziale achtet, wir haben Atmungstherapeuten vor Ort, pflegen eine gute Zusammenarbeit mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen, aus der Allgemeinmedizin und Anästhesie und können dadurch positiv mit unseren Patienten arbeiten. Aktiv dabei sind natürlich auch die Therapeuten, Physio- und Ergotherapeuten und Logopäden. Ohne die geht gar nichts.«

Eine Schwierigkeit gab es dann aber doch noch: Nachdem nicht zu erwarten gewesen war, dass die Patientin jemals wieder die Wohngemeinschaft verlassen würde, hatte ihr Sohn die Wohnung aufgelöst: »Sie musste wie ein Teenie eine Wohnung suchen, was aufgrund ihres Alters gar nicht so leicht war. Saß bei uns und wälzte Möbelkataloge. Jetzt meistert sie ihr Leben allein und kommt damit hervorragend klar.«