Demenz (Alzheimer, Vaskuläre Demenz)
DEMENZ (ALZHEIMER, VASKULÄRE DEMENZ)
Demenz bedeutet, dass das Gehirn nach und nach Fähigkeiten verliert, die wir im Alltag brauchen – zum Beispiel sich Dinge zu merken, Gesprächen zu folgen oder sich zu orientieren. Die Veränderungen entstehen meist langsam und entwickeln sich über mehrere Jahre. Für Betroffene und ihre An- und Zugehörigen kann diese Entwicklung den Alltag jedoch stark variieren.
Viele Menschen verbinden mit Demenz vor allem Vergesslichkeit. Tatsächlich betrifft die Erkrankung jedoch deutlich mehr Bereiche des Denkens und Verhaltens. Mit zunehmendem Fortschreiten der Erkrankung fällt es Betroffenen immer schwerer, alltägliche Aufgaben selbstständig zu bewältigen.
Demenz ist ein Sammelbegriff für Erkrankungen des Gehirns, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten verbunden sind. Besonders betroffen sind Gedächtnis, Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Neben diesen kognitiven Veränderungen treten häufig auch Veränderungen des Sozialverhaltens, der emotionalen Kontrolle und der Motivation auf.
Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und schreitet im Verlauf fort. In frühen Stadien sind Betroffene häufig noch teilweise selbstständig, während sie bei fortgeschrittener Demenz zunehmend Unterstützung im Alltag benötigen und schließlich pflegebedürftig werden können.
Demenzerkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter. In Deutschland leben etwa eine Million Menschen mit einer mittelschweren oder schweren Demenz, und die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.
Die häufigste Form der Erkrankung ist die Alzheimer-Demenz, gefolgt von der vaskulären Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht wird. Zusammen machen diese beiden Formen den größten Teil aller Demenzerkrankungen aus.
Definition
Demenz bezeichnet ein Syndrom, das durch eine meist chronische oder fortschreitende Erkrankung des Gehirns entsteht. Dabei kommt es zu einem Abbau mehrerer höherer kortikaler Funktionen wie Gedächtnis, Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen.
Neben den kognitiven Beeinträchtigungen treten häufig Veränderungen im Verhalten und in der Persönlichkeit auf. Dazu können beispielsweise Unruhe, Angst, Depressionen, Halluzinationen oder Aggressionen gehören.
Diese Veränderungen wirken sich zunehmend auf die Fähigkeit aus, den Alltag selbstständig zu bewältigen.
VERGESSLICHKEIT ODER DEMENZ?
Viele Menschen machen sich Sorgen, wenn sie häufiger Dinge vergessen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass gelegentliche Vergesslichkeit ein normaler Teil des Älterwerdens sein kann.
Typische Beispiele für normale Vergesslichkeit sind:
- Gelegentlich verlegte Gegenstände wie Schlüssel oder Brille
- Ein Name, der einem vorübergehend nicht einfällt
- Kleine Konzentrationsprobleme bei Stress oder Müdigkeit
Bei einer Demenz gehen die Veränderungen meist weiter. Betroffene verlieren häufiger den Überblick über Zusammenhänge, Abläufe oder Orte. Beispiele können sein:
- Gegenstände an ungewöhnlichen Orten abzulegen, etwa Schlüssel im Kühlschrank
- Gesprächen nicht mehr folgen zu können
- Vertraute Wege oder Orte nicht mehr wiederzuerkennen
Solche Veränderungen treten meist nicht einmalig, sondern wiederholt auf und können den Alltag zunehmend erschweren.
HÄUFIGE FORMEN DER DEMENZ
Die häufigsten Demenzformen sind:
Alzheimer-Demenz
Sie ist die häufigste Ursache einer Demenz. Der Anteil liegt je nach Studie zwischen etwa 50 und 70 Prozent aller Fälle
Vaskuläre Demenz
Diese Form entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, beispielsweise infolge von Gefäßschäden oder Schlaganfällen. Sie macht etwa 15 bis 25 Prozent der Demenzerkrankungen aus.
Darüber hinaus kommen Mischformen vor, bei denen sowohl neurodegenerative als auch vaskuläre Veränderungen im Gehirn eine Rolle spielen.
WAS PASSIERT IM GEHIRN?
Je nach Form der Demenz entstehen unterschiedliche Veränderungen im Gehirn.
Bei der Alzheimer-Demenz lagern sich bestimmte Eiweißstoffe zwischen und innerhalb der Nervenzellen ab. Diese Ablagerungen können dazu führen, dass Nervenzellen geschädigt werden oder absterben. Informationen können dadurch schlechter gespeichert oder abgerufen werden.
Bei der vaskulären Demenz wird das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet. Ursache können beispielsweise Gefäßschäden oder kleine Schlaganfälle sein. Bestimmte Hirnregionen erhalten dadurch zu wenig Sauerstoff und können ihre Aufgaben nur noch eingeschränkt erfüllen.
SYMPTOME
Die Symptome einer Demenz entwickeln sich meist langsam und verstärken sich im Verlauf der Erkrankung. Zu den typischen Anzeichen gehören:
- Gedächtnisverlust
- Schwierigkeiten beim Denken und Planen
- Orientierungsstörungen
- Sprachprobleme
- Einschränkungen im Urteilsvermögen
- Veränderungen der Persönlichkeit oder des Sozialverhaltens
Neben diesen kognitiven Symptomen treten häufig auch psychische Veränderungen auf, beispielsweise:
- Depressionen
- Angst
- Unruhe
- Schlafstörungen
- Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
Diese Symptome können sowohl für die Betroffenen als auch für pflegende An- und Zugehörige eine erhebliche Belastung darstellen.
Demenz beeinflusst jedoch nicht nur das Gedächtnis, sondern häufig auch den Alltag und das emotionale Erleben der Betroffenen. Viele Menschen erleben Unsicherheit, Scham oder ziehen sich aus sozialen Situationen zurück. Auch An- und Zugehörige stehen häufig vor großen Herausforderungen, da sich Rollen und Verantwortlichkeiten im Alltag verändern können.
RISIKOFAKTOREN
Die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Unterhalb von 65 Jahren treten Demenzerkrankungen nur selten auf, während die Häufigkeit im höheren Lebensalter stark zunimmt.
Neben dem Alter spielen verschiedene Risikofaktoren eine Rolle. Dazu gehören insbesondere vaskuläre Risikofaktoren, die auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutsam sind.
Ein gesunder Lebensstil kann daher eine wichtige Rolle bei der Prävention spielen. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen dem Risiko einer Demenz und Faktoren wie Rauchen, körperlicher Aktivität oder Ernährung.
Auch geistige Aktivität, soziale Kontakte und regelmäßige Bewegung können dazu beitragen, das Gehirn möglichst lange aktiv zu halten. Handlungen wie Lesen, Gespräche, Lernen neuer Fähigkeiten oder gemeinschaftliche Tätigkeiten können die geistige Anregung fördern.
DIAGNOSE
Die Diagnose einer Demenz basiert auf verschiedenen Untersuchungen. Dazu gehören in der Regel:
- Eine ausführliche Anamnese
- Gespräche mit An- und Zugehörigen
- Neuropsychologische Tests zur Überprüfung von Gedächtnis und Denkfähigkeit
- Körperliche und neurologische Untersuchungen
Ziel der Diagnostik ist es, eine Demenz von anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu unterscheiden und mögliche Ursachen zu erkennen.
Gedächtnisambulanzen & Gedächtnissprechstunden sind auf die Diagnostik von solchen Gedächtnisproblemen spezialisiert. In dieser Datenbank sind alle Gedächtnisambulanzen aufgelistet:
BEHANDLUNG
Eine Heilung der meisten Demenzerkrankungen ist derzeit nicht möglich. Die Behandlung zielt deshalb darauf ab, den Krankheitsverlauf zu beeinflussen, Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.
Neben medikamentösen Ansätzen spielen vor allem psychosoziale Maßnahmen eine wichtige Rolle. Diese können dazu beitragen, kognitive Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten und die Selbstständigkeit im Alltag zu unterstützen.
Für viele Betroffene, An- und Zugehörige sind außerdem strukturierende Maßnahmen im Alltag hilfreich. Dazu gehören beispielsweise:
- Eine klare Tagesstruktur
- Regelmäßige Aktivitäten und Beschäftigung
- Gut sichtbare Uhren und Kalender zur Orientierung
- Möglichst einfache und klare Kommunikation
- Begrenzte Auswahlmöglichkeiten, etwa „Möchtest du Tee oder Kaffee?“
Solche Maßnahmen können helfen, Überforderung zu vermeiden und Sicherheit im Alltag zu fördern.
KRANKHEITSVERLAUF
Der Verlauf einer Demenz kann individuell unterschiedlich sein. Häufig wird jedoch eine grobe Einteilung in drei Phasen beschrieben:
Frühe Phase
In dieser Phase treten meist leichte Gedächtnisprobleme auf. Betroffene können viele Aufgaben noch selbstständig bewältigen, benötigen jedoch manchmal Unterstützung oder Erinnerungen.
Mittlere Phase
Orientierungsprobleme nehmen zu, alltägliche Tätigkeiten fallen schwerer und Betroffene benötigen zunehmend Hilfe im Alltag.
Späte Phase
In der fortgeschrittenen Phase sind viele Betroffene auf umfassende Unterstützung und Pflege angewiesen. Kommunikation, Mobilität und Selbstversorgung können deutlich eingeschränkt sein.
PFLEGE BEI DEMENZ
Mit Fortschreiten der Erkrankung benötigen viele Menschen mit Demenz Unterstützung im Alltag und in der Pflege. Besonders wichtig sind dabei Maßnahmen, die Sicherheit und Orientierung fördern.
Zu den zentralen Pflegeaspekten gehören:
Orientierung und Struktur
Ein strukturierter Tagesablauf sowie vertraute Routinen können Betroffenen helfen, sich besser zurechtzufinden.
Validation und wertschätzende Kommunikation
Ein respektvoller Umgang und das Ernstnehmen der Gefühle und Wahrnehmungen der Betroffenen können zu mehr Sicherheit und Wohlbefinden beitragen.
Sturz- und Hinlaufprophylaxe
Durch Orientierungsschwierigkeiten und Unruhe kann das Risiko für Stürze oder Weglaufen steigen. Eine sichere Umgebung ist daher ein wichtiger Bestandteil der Betreuung.
Biografiearbeit
Das Einbeziehen persönlicher Lebensgeschichten und Gewohnheiten kann helfen, individuelle Bedürfnisse besser zu verstehen und die Betreuung darauf abzustimmen.
Angehörigenberatung
Demenzerkrankungen betreffen nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch ihre Familien. Informationen, Beratung und Unterstützung können An- und Zugehörige entlasten.
MÖGLICHE RISIKEN UND KOMPLIKATIONEN
Im Verlauf der Erkrankung können verschiedene gesundheitliche Risiken auftreten. Dazu zählen beispielsweise:
- Mangelernährung
- Dehydratation
- Akute Verwirrtheitszustände (Delir)
- Risiken im Zusammenhang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen
Diese Faktoren können den Gesundheitszustand zusätzlich verschlechtern und erfordern eine sorgfältige pflegerische und medizinische Betreuung.
UNTERSTÜTZUNG FÜR AN- UND ZUGEHÖRIGE
Die Betreuung eines Menschen mit Demenz kann für An- und Zugehörige emotional und organisatorisch sehr belastend sein. Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung gibt es daher verschiedene Unterstützungsangebote.
Dazu gehören unter anderem:
- Pflegestützpunkte und Beratungsstellen
- Demenz-Beratungsangebote und Informationsveranstaltungen
- Selbsthilfegruppen für An- und Zugehörige
- Tagespflege oder Kurzzeitpflege
- Entlastungsangebote im Rahmen der Pflegeversicherung
Solche Angebote können dazu beitragen, An- und Zugehörige zu entlasten und gleichzeitig eine möglichst gute Betreuung der Betroffenen zu ermöglichen.
DEUTSCHEFACHPFLEGE: PFLEGE BEI DEMENZ
Viele Menschen mit einer Demenzerkrankung benötigen im Verlauf Unterstützung im Alltag oder pflegerische Betreuung. In frühen Stadien erfolgt diese häufig im häuslichen Umfeld durch An- und Zugehörige oder ambulante Pflegedienste. Mit zunehmendem Pflegebedarf kann auch eine Versorgung in spezialisierten Einrichtungen notwendig werden.
Die DEUTSCHEFACHPFLEGE bietet bundesweit unterschiedliche Versorgungsformen an, um Menschen mit komplexem Pflegebedarf individuell zu begleiten. Ziel ist es, Betroffene und ihre An und Zugehörigen bestmöglich zu unterstützen und eine hochwertige pflegerische Betreuung sicherzustellen.
Quellen
Die Inhalte dieses Artikels basieren auf Informationen aus folgenden Fachquellen:
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz:
https://www.deutsche-alzheimer.de/
Robert Koch-Institut (RKI): Demenz – Gesundheitsberichterstattung des Bundes
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): Informationen zu Demenzerkrankungen
Busch, M.: Demenzerkrankungen – Epidemiologie und Bedeutung vaskulärer Risikofaktoren, Robert Koch-Institut
Die Informationen im PflegeWiki ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung oder Behandlung.