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Evakuierung gemeistert

Die Elvis-Bombe

Erfolgsgeschichte Elvis Bombe, 5 Mitarbeiter*innen im Flur stehen nebeneinander umarmt in einer Reihe und lächeln ind die Kamera.

Ein Bombenfund aus dem Zweiten Weltkrieg im Gebiet des Marinearsenals stellte die Wohngemeinschaft Huus Joris in Wilhelmshaven vor eine außergewöhnliche Aufgabe: Elf Klient*innen mit intensivpflegerischem Bedarf mussten ihre vertraute Umgebung für mehrere Stunden verlassen – sicher, gut versorgt und ohne Unterbrechung ihrer Pflege.

Was folgte, war ein Tag, der vor allem eines zeigte: Wenn es darauf ankommt, funktioniert Zusammenhalt. Bereits am Vortag informierte der Krisenstab der Stadt Wilhelmshaven die Einrichtungen im Evakuierungsradius über die geplante Bombenentschärfung. Für Pflegedienstleitung Svantje Hagemann, Bereichsleitung Bettina Albers und das Pflegeteam von Huus Joris begann damit sofort die Vorbereitung.

Für jede*n Klient*in wurden Patientenakten in Papierform vorbereitet, ergänzt durch Versicherungsunterlagen sowie kompakte Übersichten zu Diagnosen und relevanten Vorerkrankungen. Medikamente, Pflege- und Verbrauchsmaterialien sowie das notwendige medizinisch-technische Equipment wurden zusammengestellt. Gleichzeitig wurde der Personaleinsatz so geplant, dass Früh-, Spät- und Nachtdienst die besondere Belastung gemeinsam auffangen konnten.

Zusätzliche Unterstützung kam aus dem Verbund, unter anderem von Lars Flüge, Wiebke van Vügt und Florian Filkowski. Im Mittelpunkt stand jedoch die Arbeit des Teams vor Ort: Gemeinsam wurden die Klient*innen auf den Transport vorbereitet, die Unterlagen zusammengestellt und alle Abläufe für einen sicheren Tag außerhalb der WG organisiert.

Am Morgen der Evakuierung blieb der Frühdienst vor Ort, um alle Klient*innen transportfähig vorzubereiten. Mehrere Rettungswagen brachten die elf Bewohner*innen anschließend in das Klinikum Wilhelmshaven. Jede*r wurde dabei von einer vertrauten Pflegefachkraft begleitet.

Das war besonders wichtig: Eine Evakuierung bedeutet für Menschen mit intensivpflegerischem Bedarf nicht einfach nur einen Ortswechsel. Beatmung, Absaugung, Medikamente, Pflegebedarf und vertraute Abläufe müssen auch außerhalb der WG zuverlässig sichergestellt sein.

Im Klinikum hatte das Team bereits überlegt, wie die Klient*innen bedarfsgerecht versorgt werden können, ohne sie alle auf der Intensivstation unterzubringen. Gemeinsam mit den Verantwortlichen von Huus Joris wurde die Aufteilung abgestimmt: Klient*innen mit Beatmungs- und erhöhtem Gerätebedarf wurden im Aufwachraum versorgt, weitere Bewohner*innen auf einer ehemaligen IMC-Station untergebracht. So waren die räumlichen und technischen Voraussetzungen für alle Beteiligten sichergestellt.

Das Team von Huus Joris übernahm die Versorgung der Klient*innen auch im Klinikum weiter. Die Klinik stellte nicht nur die passenden Räumlichkeiten zur Verfügung, sondern unterstützte die Versorgung vor Ort freundlich und zuvorkommend. „Es war wirklich eine tolle Umsorgung durch das Klinikum, wir wurden mit Brötchen und Getränken aufgenommen“, erinnert sich Bettina Albers. So blieben die Klient*innen in vertrauten Händen, während das Krankenhauspersonal und Pflegekräfte von Joris sich gegenseitig halfen.

Trotz der ungewohnten Umgebung kehrte nach der Ankunft schnell Ruhe ein. Die wachen und ansprechbaren Bewohner*innen waren über die Situation informiert. Nachdem alle angekommen und die Abläufe stabil waren, kehrte Ruhe ein: Einige nutzten die Zeit sogar für einen Mittagsschlaf. „Mehrbettzimmer haben Elvis gehört“, erinnert sich das Team an einen kleinen, besonderen Moment dieses außergewöhnlichen Tages.

Auch für die beteiligten Kolleg*innen blieb Zeit für eine kurze Begegnung: Als Florian Filkowski in der Klinik einen ehemaligen Kollegen traf, kommentierte dieser die ungewöhnliche Situation mit einem Augenzwinkern: „Muss man erst eine Bombe finden, damit wir uns wiedersehen?“

Nach der erfolgreichen Entschärfung wurde der Rücktransport abgestimmt. Die Rettungsdienste brachten die elf Klient*innen nahezu zeitgleich zurück in die Wohngemeinschaft. Dort standen die Pflegefachkräfte bereit, um sie direkt wieder zu übernehmen und weiter zu versorgen.
Der Frühdienst hatte die Evakuierung und den Aufenthalt im Klinikum begleitet, der Frühdienst wurde dann in einen Tagdienst umgewandelt, somit gab es auch keinen Schichtwechsel in der WG.

Durch die vorausschauende Planung von Svantje Hagemann, Bettina Albers und dem Pflegeteam, das mitgeführte Equipment und die enge Zusammenarbeit mit Klinik, Rettungsdiensten und Kolleg*innen aus dem Verbund kam es während der gesamten Maßnahme zu keiner Versorgungsunterbrechung.

Die Evakuierung von Huus Joris war ein organisatorischer Kraftakt. Sie war aber auch ein starkes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn ein Team Verantwortung übernimmt, sich gegenseitig unterstützt und gemeinsam anpackt. „Die ganze Aktion hat das komplette Team zusammengeschweißt. Dies hat gezeigt, wie toll die Zusammenarbeit in außergewöhnlichen Situationen klappt“, sagt Bettina Albers.